Mit dem Kajak unterwegs auf dem Regen

von Zwiesel bis Regensburg

Sommer 2009


Größere Kartenansicht

Der Regen, größter Fluss der Oberpfalz, stand schon lange auf meiner Touren-Wunschliste. Diese Sommerferien wollte ich es endlich angehen. Das Internet bot schon einmal reichlich Gelegenheit sich vorzubereiten. Befahrungsberichte (z.B.: Bericht Scheidle), sogar ein Video von einer Fahrt durchs Bärnloch (YouTube: Bärenlochtour, sieht harmloser aus, als es bei mir war...) und natürlich Google Earth mit vielen Bildern ermöglichten mir schon vorab ein gutes Bild vom Fluss zu bekommen. Ich war sehr gespannt.
Grundlage für die genauere Planung war der DKV-Wanderführer für Bayern in seiner 10. Auflage (kanu.de) und die Ergänzungen zum Flusswanderführer Deutschland aus dem Internet, sowie die Umgebungskarten UK 50-26 bis UK 50-29 des Bayerischen Landesvermessungsamtes.
Der Fluss sollte im Sommer sehr stark bevölkert sein, daher startete ich zunächst einen Rundruf bei den geplanten Campingplätzen, es wurde jedoch jedesmal Entwarnung gegeben: "So viel ist bei uns zur Zeit nicht los."
Mangels Partnern machte ich mich alleine auf den Weg. Der logistische Aufwand war nicht gar so klein. Campingausrüstung, Boot und Fahrrad mussten mit. Ich teilte die Strecke in folgende Abschnitte:

Zwiesel Angerplatz - Camping Regen

12 km

Camping Regen - Teisnach Straßenbrücke bei der Papierfabrik

19 km

Teisnach Straßenbrücke bei der Papierfabrik - Camping Pirka

19 km

Camping Pirka - Cham, KC Graf Luckner

30 km

Cham, KC Graf Luckner - Imhof, Camping beim Gasthof "Zum Regentalstrand"

30 km

Imhof - Marienthal, Camping beim Gasthof

27 km

Marienthal - Regensburg, DLRG-Steg an der Donau

30 km

Auf dem Campingplatz in RegenIch übernachtete zweimal auf dem schönen Campingplatz in Regen, da es in Teisnach keinen Campingplatz gibt. So war der Fahraufwand auch nicht ganz so groß. Ich wollte bei meinem Boot sein und da ich alleine unterwegs war auf eine Gepäckfahrt verzichten. Um das Auto umzustellen war jedesmal das Fahrrad nötig. Außer am ersten Tag, da hatte ich das Zelt am Camping Regen schon aufgebaut und mein Fahrrad dort gelassen, um mein Auto wieder von Zwiesel zu holen, stellte ich das Auto an die Ausstiegsstelle und bin mit dem Fahrrad wieder zu meinem Boot an der Einstiegsstelle gefahren. War die Ausstiegsstelle ein Campingplatz habe ich auch immer gleich mein Zelt dort aufgebaut. So konnte ich den Regen also sowohl vom Boot als auch vom Fahrrad aus erleben. Abends musste ich dann natürlich mein Fahrrad mit dem Auto wieder von der Einstiegsstelle holen. Dies verband ich dann aber zum Beispiel mit einer Besichtigung des Pfahls bei Viechtach.

Zu den einzelnen Abschnitten:

Auf dem Schwarzen Regen zwischen Zwiesel und RegenZwiesel - Regen: Die auch im Internet erhältliche Flusswanderkarte bezeichnet diesen Abschnitt als "Familientour". Nun ja, es gibt sicher Familien, die den Abschnitt den ich gefahren bin bewältigen können. Die Unterhaltung mit Maria und Michael, den extrem paddlerfreundlichen Besitzern des Campingplatzes in Regen, klärte dann aber, dass die für Familien übliche Einstiegsstelle deutlich weiter flussabwärts liegt. Das Wehr am Tröpplkeller (km 164) ist nur mühsam zu umtragen. Die anschließende Schwallstrecke ist mit drei Stufen garniert, bei denen es nichts schadet, sie sich erst einmal anzusehen um die optimale Durchfahrt zu finden (die oben erwähnte Karte gibt hier immerhin auch WW I an)

Der schwarze Regen zwischen Regen und TeisnachRegen - Teisnach:Der Abschnitt von dem am meisten berichtet wird und auf dem ab Oberauerkiel auch Helm und Westenpflicht besteht. Nun ja, ich war hier bei Minimalpegel (Zwiesel 55 cm) unterwegs. Bei einigen der Schwälle vor Oberauerkiel beschloss ich, schon mal Weste und Helm anzulegen, die ich bis dort nur spazieren gefahren habe. Ich war auch nicht ganz sicher, ob ich schon an Oberauerkiel vorbei war. Die Sorge war aber unbegründet. Bei Oberauerkiel gibt es einen sehr gut ausgebauten und beschilderten Rastplatz. Auch danach sind noch einige Notausstiege ausgeschildert. Was soll ich sagen? Der Abschnitt ist einfach fantastisch, wenn auch wirklich nicht ganz ohne (WW I-II). War Zwiesel-Regen schon sehr schön, hier fühlte man sich wirklich wie in Canada. Außer dem Wald, dem Fluss und den Steinen gab es hier nur mich und mein Boot. Ich bin bis zur Umtragestelle an der Papierfabrik keinem Menschen begegnet oder habe wenigstens einen gesehen. Nur einmal war unterwegs eine Motorsäge zu hören. An der Papierfabrik waren dann sechs Paddler mit zwei Leih-Canadiern, die gerade ihre Ausrüstung trockneten. Gerade mit Canadiern ist hier auf eine sichere Verpackung der Sachen zu achten! Über das Umtragen (600m) hülle ich den Mantel des Schweigens (nach dem Paradies muss man noch durch die Hölle...)

Blick zurück nach dem Gumpenrieder SchwallTeisnach - Pirka: Es hatte nachts ordentlich geregnet und so war der Pegel ganz deutlich gestiegen. (Zwiesel: 68 cm). Der Kanu-Wanderführer meint zwar, dass der Gumpenrieder Schwall bei Niedrigwasser schwieriger wäre, ich war aber trotzdem beeindruckt. Gleich nach dem Einstieg ist Teisnach II zu umtragen. Die Beschreibung aus dem Führer und die Bilder von Google-Earth passten heute hier gar nicht. Das alte Flussbett war ordentlich mit Wasser gefüllt. Das einzige Problem war, eine geeigete Einsetzstelle zu finden. Ein kleines Kehrwasser und los gings! Uuups, das war auch mindestens WW I! Ich bin dann noch mit einer Seite auf einen Stein gefahren und kurz festgesessen, was mich bei dem Wasserdruck ins Schwitzen brachte, zum Glück habe ich aber richtig reagiert und bin ohne baden zu gehen wieder los gekommen... Noch vor Gumpenried gab es einige weitere ordentliche Schwälle. Am Wehr in Gumpenried begegnete ich dann einer Pfadfindergruppe (10 Canadier) die durch den Gumpenrieder Schwall wollten. Auch wenn ich warten musste, bis die große Gruppe endlich fertig war, schloss ich mich ihr gerne an. Die Leiterin hatte gehört, dieser Abschnitt wäre leichter als das Bärnloch. Nun, ich hatte meine Zweifel und dachte, es könnte im gegenseitigen Interesse sein, wenn wir da zusammen durchfahren. Ganz wohl war mir bei meinem Alleingang heute nämlich nicht. Nun, am dritten Schwall ist dann auch prompt ein Boot gekentert. Das Boot war wegen des Wasserdrucks an dem Tag auch nicht mehr zu bergen aber die Insassen konnten alle wohlbehalten weiterfahren. Nicht weit von der Stelle lag noch ein weiteres herrenloses Leihkanu im Fluss. Weshalb auf diesem Abschnitt nur die Empfehlung für Helm und Weste gegeben ist, wenn es im Bärnloch die Pflicht dafür hat? Nun, egal, ich empfehle jedem, der hier durch will, dringend zur Sicherheitsausrüstung. Der Abschnitt ist bei dem Pegel wirklich nicht unbedingt schwerer, sicher aber auch nicht leichter als das Bärnloch.

Unterwegs auf dem RegenPirka - Cham: Schon die Rückfahrt mit dem Rad war interessant, der einzige Tag an dem ich mein Mountainbike wirklich als solches gebraucht hatte. Der Trail am Bleichachsee entlang und der weitere Weg auf dem Radweg 36 sind wirklich sehr nett. Bootstechnisch war dann zunächst "Jetzt fahrn wir übern See, übern See, jetzt fahrn wir übern See" angesagt. Unterhalb des Bleichachsees (der üblichen Einstiegsstelle für Wanderfahrer) gab es dann aber wieder etwas Strömung. Landschaftlich ist auch dieser Abschnitt schön, fahrtechnisch war es jetzt natürlich sehr entspannt.

Im Chamer BeckenCham - Imhof: Puh, das Chamer Becken zieht sich..., ab Roding wird es wieder interessanter


ReichenbachImhof - Marienthal: Schöne Wanderfahrt mit kleinen Schwällen durch eine landschaftlich reizvolle Gegend.

Auf dem Regen vor RamspauMarienthal - Regensburg: Auch heute war schon das Fahrradfahren recht hübsch. Landschaftlich ist der Fluss bis Regenstauf auf alle Fälle auch sehr schön. Warum der Führer empfiehlt die Fahrt danach zu beenden? Nun, wohl nur, weil es vorher so großartig war. Ich bin der Meinung, der Rest bis Regensburg lohnt sich auch noch, schlechter als auf irgend einem anderen deutschen Wiesenfluss ist es hier auch nicht. Klar, die Autobahn hört man ein paar Kilometer lang, aber auch das ist anderswo nicht so viel anders. Schließlich die Donau zu erreichen war für mich ebenfalls extrem interessant.


Kurz zu den Campingplätzen:

Regen: Extrem gut ausgestattet und extrem nette Besitzer. Camping Regen

Pirka: Idyllisch und ruhig, aber von der Ausstattung deutlich spärlicher (Toilettenpapier mitbringen...).

Auf der Zeltwiese des KC Graf Luckner, ChamCham: Auch für Nichtmitglieder. Wird ehrenamtlich betrieben, daher der eine oder andere Abstrich. Man muss warten, bis jemand die Sanitäreinrichtungen aufschließt oder den Schlüssel am Schwimmbad holen. Duschen sind etwas rar, bei größeren Gruppen ist also mit Wartezeiten zu rechnen. Ansonsten aber ansprechend. Großes Minus ist die nicht weit entfernte Straßenbrücke, die des nächtens für eine deutliche Geräuschkulisse sorgt. Kanu-Club "Graf Luckner" - Cham

In ImhofImhof: Die Besitzer sind sehr nett und völlig auf Paddler eingestellt. Die Lage ist traumhaft, der Platz sehr ruhig und wer möchte kann auch ein Tipi mieten, damit das Indianer-feeling perfekt wird. Imhof - Gasthof am Regentalstrand


MarienthalMarienthal: Die Lage ist ebenfalls traumhaft und erstaunlich ruhig, auch wenn direkt daran eine Straße vorbeiführt. Die Straße ist eher von touristischem Interesse (Motorradfahrer) und daher nachts kaum befahren. Der Gasthof zu dem die Wiese gehört ist sehr urig, das Essen bayerisch gut und wenn man mit der Mentalität der Ostbayern zurechtkommt (d.h. etwas Zeit und Ruhe mitbringt und nicht durch Hektik negativ auffällt) fühlt man sich dort richtig wohl. Problem: Keine Duschen und nachts ist die Toilette verschlossen, da im Gasthof. Gasthof Marienthal

So, wer mehr Bilder und ein paar weitere Kommentare möchte, der möge sich meine Diashow ansehen: Kanutour 2009 auf dem Regen